Trotz eisiger Temperaturen am 25. Januar 2026 begab sich eine Gruppe von 20 Personen auf eine historische Spurensuche durch Siegen. Unter der Leitung von Dr. Jana Mikota (Vorstand AMS, Uni Siegen) und Peer Ball (Leitung Pädagogik-AK und Vorstand AMS) stand dabei nicht nur das Gedenken im Vordergrund, sondern die Rekonstruktion jüdischen Lebens als integraler Bestandteil der Stadtgesellschaft.
Kernaspekte der Führung:
Identität jenseits der Opferrolle: Die Führung betonte die Zeit vom 19. Jahrhundert bis 1945. Ziel war es, jüdische Bürger:innen nicht nur als Opfer der Shoah, sondern als Nachbarn, Geschäftsinhaber ( z. B. Kaufhaus Tietz) und Mitbürger darzustellen.
Sichtbare Assimilation: Die Architektur der ehemaligen Synagoge (1904–1938) war ein Symbol für den Wunsch nach Zugehörigkeit. Mit ihrem Schieferdach und Anlehnungen an das Obere Schloss fügte sie sich bewusst in die regionale Topographie ein.
Die Tragik der Staatstreue: Ein zentraler Wendepunkt des Rundgangs war die Schilderung des Jahres 1934. Der Versuch der jüdischen Gemeinde, durch das Hissen der Hakenkreuzfahne zu Hitlers Geburtstag ihre staatliche Loyalität zu zeigen, wurde von den Nationalsozialisten als „Schändung“ umgedeutet. Dies verdeutlichte radikal den Ausschluss aus der Gesellschaft.
Vom Alltag zur Vertreibung: Anhand der Familie Hochmann wurde der schleichende Übergang von einem gewöhnlichen Leben in den 1920er Jahren hin zu Flucht und Vertreibung greifbar gemacht.
Fazit
Der Rundgang verdeutlichte die schmerzhafte Diskrepanz zwischen der tiefen Verwurzelung der jüdischen Gemeinde in Siegen und der rücksichtslosen Zerstörung dieser Existenz durch das NS-Regime.
Wir danken allen Besucherinnen und Besuchern, die mit uns auf Spurensuche durch das jüdische Siegen gekommen sind und natürlich unserem Expertenteam für die abermals sehr empathische, gelungene Leitung!
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